Konfliktmoderation
Warum interne Klärung oft scheitert
Ein Konflikt im Führungsteam lässt sich selten allein durch gemeinsame Vorgesetzte oder interne Gespräche auflösen — nicht, weil es an gutem Willen fehlt, sondern weil jede intern beteiligte Person auch eine eigene Position im selben System hat. Ein Vorgesetzter, der schlichten soll, ist gleichzeitig Teil der Hierarchie, die den Konflikt mit ausgelöst hat. Das macht eine neutrale Rolle von innen praktisch unmöglich.
Externe Konfliktmoderation funktioniert deshalb oft dort, wo interne Versuche steckengeblieben sind — nicht, weil eine außenstehende Person klüger wäre, sondern weil sie kein Eigeninteresse am Ausgang hat.
Die Rolle der neutralen Moderation
Ich beginne mit getrennten Vorgesprächen mit jeder beteiligten Person — um die jeweilige Perspektive zu verstehen, bevor alle gemeinsam am Tisch sitzen. Erst danach folgen gemeinsame Sitzungen, in denen ich moderiere, ohne Position zu beziehen. Ziel ist nicht, wer recht hat, sondern eine Arbeitsfähigkeit, die über den Konflikt hinaus trägt.
Am Ende steht eine gemeinsam getragene Vereinbarung zum weiteren Umgang miteinander — kein Vermittlungserfolg wird garantiert, aber in den meisten begleiteten Fällen verbessert sich die Zusammenarbeit sichtbar innerhalb der vereinbarten Sitzungen.
Grenzen der Moderation
Konfliktmoderation setzt voraus, dass beide Seiten grundsätzlich bereit sind, an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten. Wenn diese Bereitschaft bei einer Seite nicht vorhanden ist — etwa weil bereits eine Trennung beschlossen ist — ersetzt eine Moderation nicht den arbeitsrechtlichen oder personellen Prozess, der dann ansteht. Das kläre ich bereits im Vorgespräch, damit keine falschen Erwartungen entstehen.
In den Fällen, in denen echte Bereitschaft besteht, ist die externe Moderation in meiner Erfahrung meist der schnellere Weg zurück in eine funktionierende Zusammenarbeit als weitere interne Versuche, die bereits gescheitert sind. Ein Vorgespräch mit jeder Seite zeigt in der Regel schon, ob diese Bereitschaft überhaupt vorhanden ist.
„Es ging nicht darum, wer recht hatte. Es ging darum, dass wir wieder miteinander arbeiten konnten." — aus einem anonymisierten Moderationsprozess



Moderation: Dr. Marcus Berger · Assistenz: Tobias Reinhardt