Warum Schweigen im Führungsteam teurer ist als jeder Konflikt
In den Team-Offsites, die ich moderiere, höre ich eine Formulierung auffällig oft: "Das war uns eigentlich schon länger klar." Meist folgt sie auf eine Aussprache, die überfällig war — manchmal um Jahre.
Ein offen ausgetragener Konflikt im Führungsteam hat einen schlechten Ruf. Er wird als Zeichen mangelnder Professionalität gelesen, als etwas, das man nach außen und oft auch nach innen vermeidet. Die Alternative — Schweigen, Aussitzen, informelle Absprachen am Rand der Sitzung — wirkt professioneller. Sie ist in der Regel teurer.
Der Grund liegt in der Art, wie ungelöste Spannungen ein Führungsteam prägen, ohne dass sie ausgesprochen werden. Zwei Mitglieder, die sich in einer Sachfrage grundlegend uneinig sind, hören auf, sich in anderen Themen gegenseitig zu unterstützen. Ein drittes Mitglied beginnt, Entscheidungen doppelt abzusichern, weil es der ungeklärten Dynamik im Team nicht traut. Keiner dieser Effekte taucht in einem Protokoll auf. Alle zusammen verlangsamen das Team spürbar.
Was in der Praxis hilft, ist selten eine große Aussprache-Session, sondern ein konkreter, moderierter Rahmen: Ein Thema wird benannt, eine begrenzte Zeit vereinbart, eine externe Moderation sorgt dafür, dass niemand aus der eigenen Hierarchieposition heraus das Gespräch dominiert. Danach ist der Konflikt selten vollständig aufgelöst — aber er ist ausgesprochen, und das Team kann wieder mit offenen statt mit stillschweigend verschobenen Karten arbeiten.
Der teuerste Konflikt in einem Führungsteam ist fast immer der, über den niemand mehr redet.