Onboarding

Der häufigste Fehler in den ersten 100 Tagen als Führungskraft

Es ist nicht die vorschnelle Entscheidung, die neue Führungskräfte in den ersten hundert Tagen am häufigsten aus der Bahn wirft. Es ist das Gegenteil: zu lange nur zuzuhören.

"Erst mal zuhören und nichts verändern" ist einer der verbreitetsten Ratschläge für neue Führungskräfte — und in Maßen berechtigt. Ein Team, ein Bereich, eine Organisation hat gewachsene Muster, die man verstehen sollte, bevor man sie verändert. Das Problem entsteht, wenn aus dieser Vorsicht ein Dauerzustand wird.

Ich sehe das regelmäßig in Onboarding-Prozessen: Eine neue Führungskraft hört in den ersten Wochen aufmerksam zu, sammelt Eindrücke, will nichts überstürzen. Nach zwei, drei Monaten sind die Eindrücke längst vollständig — trotzdem bleibt die erste sichtbare Entscheidung aus. Für das Team entsteht daraus kein Bild von Umsicht, sondern von Unklarheit: Wofür steht diese Führungskraft eigentlich?

Der Unterschied zwischen umsichtigem und zögerlichem Vorgehen ist selten die Zeitspanne an sich, sondern die Sichtbarkeit erster Signale. Eine neue Führungskraft muss nicht in Woche zwei die gesamte Strategie verkünden. Sie sollte aber innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen mindestens eine kleine, klar begründete Entscheidung sichtbar treffen — und sei es nur die Art, wie Meetings künftig ablaufen.

Diese frühe, kleine Entscheidung erfüllt eine Funktion, die weit über ihren eigentlichen Inhalt hinausgeht: Sie zeigt dem Team, dass jemand die Verantwortung tatsächlich übernommen hat — nicht nur formal, sondern sichtbar.