Was dein Montagmorgen-Bauchgefühl dir eigentlich sagt
"Ich habe einfach keinen Bock auf Montag" höre ich oft als beiläufige Bemerkung, fast wie eine Selbstverständlichkeit. Selten wird die Frage gestellt, die eigentlich interessant wäre: Bock auf was genau nicht?
Das Montagmorgen-Gefühl wird meist pauschal behandelt — als allgemeine Müdigkeit, als normaler Rhythmus nach dem Wochenende. Bei genauerem Hinsehen ist es das selten. Es ist fast immer an etwas Konkretes gebunden: ein bestimmtes Meeting, eine bestimmte Person, eine bestimmte Aufgabe, die ansteht. Wer diesen Unterschied nicht macht, verpasst ein sehr präzises Signal.
In Coaching-Sitzungen bitte ich Klientinnen und Klienten manchmal, den Sonntagabend rückwärts durchzugehen: Wann genau kam das flaue Gefühl? War es beim Blick in den Kalender? Beim Gedanken an eine bestimmte Person, mit der man an diesem Tag sprechen muss? Fast immer lässt sich der Auslöser eingrenzen — und ist deutlich kleiner als "der ganze Job".
Das ist keine kosmetische Übung. Ein diffuses "ich mag meinen Job nicht mehr" führt zu großen, oft überstürzten Entscheidungen — Kündigung, Branchenwechsel, ein radikaler Schnitt. Ein präzises "ich mag die Montagsrunde mit diesem einen Kollegen nicht, weil er meine Vorschläge grundsätzlich zerredet" führt zu einer sehr viel kleineren, oft lösbaren Frage: Wie gehe ich mit genau dieser Situation um?
Nicht jedes Montagmorgen-Gefühl bedeutet, dass etwas Grundsätzliches falsch ist. Manchmal bedeutet es nur, dass ein einziges wiederkehrendes Detail dringend eine Antwort braucht — und die lässt sich meist finden, ohne gleich den ganzen Weg infrage zu stellen.