Selbstführung
Der innere Antreiber
Die meisten Klientinnen und Klienten, die mit diesem Thema zu mir kommen, funktionieren nach außen tadellos. Termine werden gehalten, Projekte abgeschlossen, Erwartungen übertroffen. Was von außen nicht sichtbar ist: der innere Ton, mit dem das passiert. Häufig ist es ein permanentes "Das reicht noch nicht" — ein Antreiber, der nie zufrieden ist, egal wie viel geleistet wurde.
Dieser Antreiber hat fast immer eine Geschichte. Manchmal ist es ein Elternteil, das Leistung mit Zuneigung verknüpft hat. Manchmal eine frühe Erfahrung, in der Fehler teuer waren. Die Arbeit beginnt nicht damit, den Antreiber zum Schweigen zu bringen — das gelingt selten und fühlt sich meist wie ein weiterer Kampf an. Sie beginnt damit, ihn als das zu erkennen, was er ist: eine Stimme, keine Wahrheit.
Was sich ändert
In der Praxis heißt das: Wir arbeiten mit konkreten Situationen aus deinem Alltag, nicht mit abstrakten Konzepten. Eine E-Mail, die du dreimal überarbeitet hast, bevor du sie abgeschickt hast. Ein Feierabend, den du dir nicht erlaubt hast, obwohl die Arbeit getan war. An diesen Punkten wird der Antreiber sichtbar — und genau dort setzen wir an.
Nach acht bis zehn Sitzungen berichten die meisten nicht, dass der innere Antreiber verschwunden ist. Sie berichten, dass sie ihn erkennen, bevor er die Entscheidung übernimmt — und dass genau dieser Moment des Erkennens der Unterschied ist.
Wo die Grenze liegt
Nicht jede Erschöpfung ist ein Coaching-Thema. Wenn sich hinter dem Antreiber eine klinische Depression, eine Angststörung oder ein Burnout im medizinischen Sinn verbirgt, ist Coaching nicht das richtige Format — dann gehört die Person in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, nicht in ein Sitzungsformat mit mir. Diese Abgrenzung kläre ich im Erstgespräch aktiv mit, nicht erst, wenn Zweifel entstehen.
In den allermeisten Fällen, die ich begleite, liegt kein klinisches Bild vor, sondern ein eingeübtes Muster, das sich über Jahre verfestigt hat — und genau dafür ist ein strukturiertes Coaching-Format gemacht: konkret, zeitlich begrenzt, mit einem klaren Ende statt einer offenen Behandlung.
„Ich habe aufgehört, mich für meine Pausen zu rechtfertigen — bei mir selbst." — aus einem anonymisierten Coaching-Prozess